Samstag, 25. August 2012

(Kennen)Lernen

Es hätte auch für die auf die erste Woche folgenden Wochen genug zu erzählen gegeben. Ich hab einen Weidezaun gebaut! eê
Aber der eigentliche Grund für den Post ist das Seminar von letzter Woche. Zum FÖJ gehören immer fünf Seminare, die jeweils fünf Tage dauern. Wir organisieren sie selbst, das erste ist mit allen FÖJlern und ÖBFDlern (Ökologischer Bundesfreiwilligendienst) Schleswig-Holsteins, die folgenden zwei in den Seminargruppen und die letzten beiden wieder alle zusammen. Diese letzten zwei sind auch nochmal recht besonders, das vorletzte ist das Segelseminar auf den Schiffen Petrine und Lovis und das letzte findet im Strandläufernest auf Sylt statt. So viel dazu. Jetzt gab es erstmal das Einführungsseminar auf dem Koppelsberg, das ist der FÖJ-Träger hier. Montag war Anreise, ich hab schon im Zug die ersten FÖJler kennengelernt. Man erkennt sich dann durch kurze Blicken an Gepäck - meist große Tourenrucksäcke -, Musikinstrumenten und gleichen Haltestellen. So hatte ich sofort drei Mädchen bei mir; Anna, Lisa und Birgit. Zwei Jungs - beide hießen Lukas - haben uns auch begleitet und gemeinsam ging es dann auf den Berg rauf. Weil wir zusammen ankamen, gab es auch ein gemeinsames Zimmer für uns vier. leider stellte sich da heraus, dass Anna, Lisa und Birgit nicht in meiner Seminargruppe sein würden.



Nach der Ankunft folgte eine Begrüßung durch irgendeinen Jugendpastor und die ehemaligen FÖJler, die uns gleich mit einem tollen Lied auf das Jahr eingestimmt haben. Wenn ich das freiwillig irgendwann mal singe, bin ich wirklich sehr sehr sehr öko geworden x'D
Es ging schließlich weiter mit einem Treffen in den Seminargruppen. Insgesamt 29 Leute aus der Umgebung Kiel. Wir sind die gelbe Gruppe, hatten alle farbige Namensschildchen bekommen und durften dann erstmal mehr oder weniger lustige Kennenlernspiele spielen. Ich weiß jetzt, wie das Evolutionsspiel geht, das die nervtötenden Pfadfinder auf der Fähre von Schweden nach Deutschland letztes Jahr gespielt haben eê
Nachdem ich so oft meinen Namen und meine Einsatzstelle genannt hatte, dass ich es nicht mehr zählen konnte, ging es zum Abendessen und später ans Lagerfeuer. Einer der beiden Lukasse aus dem Zug hat Gitarre gespielt und gesungen und so endete ein schöner erster Tag. Achja, im See waren wir natürlich auch, das war ja noch einer der heißen Tage. Am Fuß des Koppelsbergs liegt nämlich der Plöner See und wir hatten eine eigene Badestelle. Ich hab meine Angst vor Fischen sogar überwunden.



Am nächsten Morgen mussten wir das Frühstück mit vorbereiten (man glaubt nicht wie viel eine 112 Mann starke Gruppe isst) und uns dann nochmal in der Seminargruppe treffen. Wieder Kennenlernspiele, wieder Namen sagen, wieder viel organisatorisches und Fragen stellen. Seit diesem Tag kann ich aber auch alle Namen. Es gab Infos über finanzielle Angelegenheiten und die Aufgaben der insgesamt drei Sprecher plus Vertreter, die am Freitag gewählt werden sollten. Und schließlich folgten die Workshops. Ich hatte mich bei "Text und Foto" eingetragen - Rollenspiel und hobbymäßig Fotografieren passte da ganz gut rein, dachte ich. Ich weiß nicht ob es an der Art unseres Workshopleiters lag oder an mir, dass ich damit nicht glücklich geworden bin. Ich hab ein Problem mit Menschen in leitenden und lehrenden Positionen, die von Nichts eine Ahnung haben uû
Beigebracht hat er uns nichts, anders als erhofft. Wir durften uns in Gruppen zusammenfinden und ein Thema suchen - die Wahl fiel bei Anna, Jonas, Fabian und mir auf die vier Elemente. So viel will ich davon nicht erzählen, weil es einfach ziemlich scheiße war und ich die ganze Zeit meine Workshopwahl bereut habe. Am Ende hatten wir zumindest vier Bilder für unseren "Kreislauf des Todes" - die Folge, wenn ein Element fehlt. Unser Foto für das Fehlen von Feuer und damit Wärme war folgendes:



Eiswürfel auf den Weg geschüttet eê Aber ansich war es richtig scheiße, vermutlich hatte jeder andere Workshop mehr Spaß als wir. Donnerstag mussten wir unsere Ergebnisse dann vor allen vorstellen. Glücklicherweise kamen wir zuerst, danach wurde einfach alles besser. Landart war nicht schlecht, dann kamen drei Videofilme - einfach genial, alle drei. Nach dem Abendessen ging es in die Kapelle, wo der Theater- und der Musikworkshop ihre Ergebnisse vorführten. Und das war so toll, dass ich aufgehört habe, mich zu ärgern. Jetzt warte ich ziemlich sehnsüchtig auf die offiziellen Videoaufnahmen von diesem Abend, weil die drei von den Teilnehmern selbstgeschriebene Lieder so wunderschön waren. Der gelungene Abschluss fand dann wieder am Lagerfeuer statt, wo dann beinahe alle 112 FÖJler und Bufdis anwesend waren und einfach zusammen saßen. Ohne Gitarre diesmal leider, aber es war auch so schön. Am nächsten Morgen folgte dann der große Abschied, die Wahl der Sprecher und das Aussuchen des kommenden Seminarthemas - bei uns in der gelben Gruppe ist es Landwirtschaft und Ernährung. Diskussionen über Vegetarismus, yay x'D
Zum Abschied sind wir nochmal runter zum See und haben ein Foto von unserer kleinen Zimmergruppe gemacht. Die auf denen ich mit drauf bin, sind nicht so schön geworden, deshalb zeige ich mal eins von Birgit, Jan, Anna und Lisa ^.^



Meine Heimfahrt war ähnlich scheiße wie der Workshop, weil ich auf der Hälfte der Strecke einen Bus verpasst hatte und der nächste erst drei Stunden später kam. Da ich meinen Rucksack hatte, bin ich eisern losgelaufen, 18 Kilometer würden sich laut meinem Handy in drei Stunden schaffen lassen. Jaaa. Ich habe viel gesehen, das Wetter hat glücklicherweise gehalten, aber ansonsten war es der Horror. Nach drei Stunden Laufen habe ich mich dann doch noch an eine Bushaltestelle gestellt, die auf dme Weg lag und auf den Bus gewartet. Da hatte ich aber schon 15 Kilometer hinter mir, etliche Blasen an den Füßen und schlechte Laune. Aber ich habs geschafft. Und ein paar nette Kühe getroffen, von denen ich Fotos gemacht hab x)
Jetzt gehts erstmal wieder an die Arbeit, Oktober folgt das nächste Seminar.



Freitag, 3. August 2012

Erste Woche

Wussa, es ist geschafft. Ich bin nicht einmal eher zum Schreiben hier gekommen, obwohl ich jeden Tag genug zu erzählen gehabt hätte, aber ich war entweder zu müde oder habe keine Zeit gefunden. Jetzt ist Freitag und ich bin seit genau einer Woche hier. Die versuche ich jetzt irgendwie mal kurz zusammenzufassen, Bilder gibt's ganz unten ein paar ^^
Freitag; Alle Reste ins Auto gestopft und heillos nervös losgefahren. Ich war viel viel schneller als erwartet und deshalb schon halb drei da, zu der Zeit hatte noch keiner mit mir gerechnet und Ulrike war noch am Strand. Später waren wir essen, wobei ich nur was getrunken habe. Mir war schlecht wie selten, Aufregung, alles neu, Heimweh, Stress und alles zusammen. Das zog sich weiter in den Samstag, an dem Ulrike ausgezogen ist. Früh ging gar nichts, ich war irgendwie völlig aufgelöst und hab versucht, nicht die Nerven zu verlieren. Ich weiß nicht einmal, wieso. Aber als ihre Eltern kamen und wir endlich was zu tun hatten, ging's auch bei mir. Ich hab dann mein Zeug in Ruhe geräumt und bin direkt noch zu Ikea gefahren. Erlebnis Stadtautobahn und Parkplatzsuche. Wenn ich demnächst graue Haare bei mir finde, weiß ich wovon sie kommen uû ... errr, Sonntag fällt mir gerade nicht mehr ein was ich da gemacht habe x'D
Montag hab ich Behördengänge erledigt und nachmittags Traktor fahren gelernt. Ich habe ein Feld gegruppert. Das klingt viel specialiger als "gepflügt", was der landläufige Begriff dafür ist x'D. Jedenfalls liebe ich den Traktor. Man fährt seine 12 km/h auf dem Feld, hat das Radio so laut wie möglich und singt jedes Lied mit. Keiner hört dich, der Sitz wippt wie ein Schaukelstuhl und du kommst dir vor wie der König der Welt. Partytraktor! xD
Dienstag hab ich nur nachmittags ein bisschen im Kindergarten mitgemacht, freiwillig und ohne dass mir das als Stunden angerechnet wird. Abends war ich am Meer.

Mittwoch - Erster offizieller Arbeitstag. Im Kindergarten war wenig los, die Meisten kannten mich auch von meiner Praktikumswoche noch. So war das eigentlich keine besondere Veränderung oder Neuerung für mich. Dann sind wir mit den Kindern zum Füttern gegangen und ich wurde von Herr Muhs Senior gebeten, mal mit in den Schweinestall zu kommen, weil er am Dach innen was reparieren musste und dafür die Leiter brauchte. Die sollte ich halten, sonst schmeißen die Schweine die um. Ich hatte gerade an dem Tag Sandalen an. Wirklich gute Idee, grandiose Idee. Nach wenigen Sekunden kauten fünf Schweine an meinen Schuhen und Hosenbeinen und drängelten sich neugierig um mich. Ich war letztendlich nur noch damit beschäftigt, diese halbstarken Ferkel auf Abstand zu halten, in dem ich nach ihnen getreten habe. Meine Schuhe waren natürlich durch, man kann sich ja vorstellen wie matschig und lecker so ein Schweinestall ist x'D
Danach hab ich Stroh geschaufelt und Saatgut gemischt. Das klingt leichter als es ist, ich kam mir ein bisschen vor wie Aschenputtel. Ein Berg Saatgut in einem Anhänger sollte einmal komplett auf die andere Seite des Hängers geschaufelt werden und dann wieder komplett zurück. Das war ... anstrengend und etwas ermüdend. Dann doch lieber die Schweine. Anschließend hat Michael mich in die Bedienung des Hochdruckreinigers eingewiesen und mich in Gummistiefel (endlich ^^''), Regenjacke und Fleischerschürze gesteckt, dann gings in einen leeren Schweinestall. Der musste sauber werden, weil neue Ferkel reinsollten. Hussa. Ich habe noch nie in meinem Leben etwas ekligeres gemacht und man glaubt das erst, wenn man es mal selbst gemacht hat oder jemandem dabei zuguckt. Trotz der Kleidung hatte ich letztlich so viel stinkenden Schweinematsch in meinen Haaren, meinem Gesicht, teilweise in Mund und Augen, dass ich mich nur mit Gedanken an meine Dusche in die Mittagspause gerettet habe. Das war wirklich ziemlich heftig und es wird wohl noch sehr sehr oft in diesem Jahr kommen. Aber es gehört dazu. Wird nicht meine Lieblingsaufgabe und nächstes Mal nehme ich meine Sonnenbrille mit, aber ich kann damit leben eê'
Nachmittags war dann noch ein bisschen Programm, aber halt nur vier Kinder da, so dass das im Vergleich zum Vormittag mehr als erholsam war. Ich hatte wieder meine kleine Klette Amanda, die panische Angst vor den Ziegen hat und die ich dann immer tragen muss, wenn der Kleine Onkel auch nur am Horizont auftaucht. Und Leila, der Hund, macht ihr ebenso Angst wie die Schweine. Hmmh, mal sehen ob sich das noch ändert in dem Jahr.

Donnerstag ist immer Hoftag. Ich hatte wieder mit Schweineställen gerechnet, aber früh wurde ich zu Rainer geschickt und die momentan hier arbeitende Praktikantin Melanie musste zu Michael. Zu Rainer heißt: Traktor fahren. Wir sind also zum Nachbarbauern und haben eine Walze geholt, dann hat Rainer mich das gesamte Feld bis mittags walzen lassen, allein. Er fährt dann immer mit dem Fahrrad auf den Hof und kommt mich zur Mittagspause holen. Nachmittags war nur Besprechung im Kindergarten (wo ich erfahren habe, dass ich mit zum Elternabend kommen und mich da vorstellen muss, holy shit ^^'') und dann Feierabend. Also ein mehr als entspannter Tag. :)
Ach ja, abends kam meine Familie vorbei. Das klingt so ... haha, sie kamen direkt aus Schweden mit dem Wohnmobil und haben mir noch haufenweise Vorräte gebracht. Blaubeermarmelade, schwedisches Gebäck das ich einfach mal rund um die Uhr essen könnte, Quarkkeulchenmehl weil es das nur in Sachsen gibt uuuuund ICA-Süßigkeiten. Davon kann ich sicher zwei Monate zehren, das ist der Wahnsinn. Gott wie hab ich das vermisst x'D <3

Heute war Kindergarten, aber nur 9 von 19 Kids anwesend. Die meisten sind noch im Urlaub. Ich konnte mich mal ein bisschen an zwei der neuen, Joel und Mads herantasten und hab mit ihnen im Sandkasten gespielt. Sie sind beide drei und wirklich zuckersüß. So könnten alle sein xD
Dann konnte ich auch endlich mal einen Draht zu Steven und Leon knüpfen. Zwei Brüder und ein bisschen eigen. Leon kann noch nicht so gut sprechen, das heißt im Moment verstehe ich ihn eigentlich null. Aber beim Trampolinspringen bin ich für ihn zum ersten Mal interessant geworden und danach hab ich ihn eigentlich gut bei Laune halten können. Das ist bei ihm immer die Herausforderung, sonst wird er bockig und dann ist er richtig richtig lange für nichts zu begeistern.
Nachmittags hatte ich frei und bin wegen des tollen Wetters mit Badesachen zum Strand gefahren. Ich war kaum da, fing es an zu stürmen und graue Wolken zogen auf, dann fiel der erste Regen. Aber wenn ich ans Meer fahre um zu baden, gehe ich auch baden. Also bin ich trotz Angst vor den Fischen, ekligem Wind und Regen ganz allein ins Wasser gegangen, kurz geschwommen und dann schnell wieder raus. Als ich daheim war, schien wieder die Sonne e__ê



Mein geliebter New Holland xD


Mads und Joel im Sandkasten


Für den Größenvergleich der Kugelschreiber. Anderthalb Kilo Süßigkeiten-Mix original svenska <3


Regen am Strand u__û


Aber so kann mein Feierabend auch aussehen ^.~