Donnerstag, 27. September 2012

Singstar

Michael und ich schaffen das. Ich glaube wir lernen langsam, miteinander auszukommen. Glücklicherweise steht mir Melanie jetzt noch zur Seite (bis morgen, dann ist sie weg, oh Gooott x.x) und erklärt mir vieles etwas verständlicher, so dass ich nicht mehr ganz so oft meine Dummheit demonstriere. Heute musste ich zum ersten Mal komplett allein die drei Offenställe der Rinder einstreuen. Die 5 Jungbullen waren am unkompliziertesten, aber auch neugierig und schwer zu vertreiben. Da mir eingetrichtert wurde, immer mit ihnen zu reden, hab ich irgendwann angefangen, zu singen. Ich singe sonst nie wenn noch jemand anwesend ist, Michael kam dann nämlich mit dem Schäffer Silageballen ausfahren, aber redet mal ununterbrochen eine halbe Stunde lang mit 5 glotzenden Kühen. Da kommt man sich wesentlich dümmer vor. Also habe ich sie besungen - und tatsächlich waren sie dann sanft wie Lämmchen und haben sich von mir in die Nachbarbox treiben lassen. Jetzt muss ich nur mein Lied auswendig lernen, damit ich nicht immer nur so Fetzen davon trällern kann eê
Im größeren Stall war ich schon mal mit Melanie, da sind Mutterkühe mit Kälbern drin. Und die haben es in sich. Die Mutterkühe sind verdammt angriffslustig, die Kälbchen entweder neugierig oder total schreckhaft. Mir hing heute ein absolut kuschelbedürftiges Bullenkalb am Rockzipfel, hat an meiner Hose genuckelt und versucht mir die Mistforke abzunehmen, dann aber auch angefangen, mich an die Wand zu drängen oder wie ein Ziegenbock mit dem Kopf nach mir zu hauen. Niemand darf sehen wie ich mit den Tieren hier umgehe wenn sie nicht spuren, aber daraufhin hab ich es mit der Mistgabel so lange gepiekt, bis es doch abgehauen ist eê

Zum Abschluss durfte ich Fliegenfänger säubern ... ich bekomme die Reste vom Öl aus den Dingern nicht mehr von meinen Händen, die jetzt aussehen als würde ich mich nie waschen. Dazu ist es verdammt abartig, eine 5 Zentimeter dicke Schicht aus Fliegenleichen und ähnlichem aus diesen teilen zu kratzen und die mit einem Lappen zu putzen. Gut dass das nur einmal im Jahr gemacht wird ... oh und Melanie musste dafür die Tonnen für die Schlachtabfälle säubern. Darum hab ich sie dann doch nicht beneidet und mich liebevoll um die toten Fliegen, Motten, Spinnen und Schnaken gekümmert. Ich hätte meinem Haustier was mitbringen können.




Kerzen und wunderschöner Sonnenaufgang, so starte ich gerne in den Tag. Und in den Herbst ♥

Sonntag, 23. September 2012

Fulltimejob


Mein neues Haustier. Ich hoffe es überlebt den fliegenfreien Winter.











Fulltimejob wieso? Weil ich mit 15 von 18 Kindern plus Familien und meinen Kolleginnen auf einem riesigen Hof war, ein ganzes Wochenende lang. Meine Erwartung war ziemlich gering, weil ich meine freien Wochenenden eigentlich echt brauche und nur weniges erholsamer ist als zwei Tage lang zu entspannen. Aber das hier war doch besser als erwartet - viel besser. Es war genial ♥
Eltern kennengelernt, Kolleginnen besser kennengelernt, Essen und Trinken ausgegeben bekommen (den tollsten Rotwein der Welt! Das holt mir das Weinfest von daheim fast ein bisschen her), sehr überzeugend Karla Kartoffel gemimt und viiiele viele Fotos gemacht. Ein paar davon oben. Das einzig anstrengende ist nun: morgen geht die Woche ganz normal weiter.

Ach ja. Es wird Herbst. Ich trockne Maiskolben und Hagebutten und lass mich von der Dunkelheit abends total verwirren. Aber ... ich freu mich drüber :)

Freitag, 14. September 2012

Perfektion wird überbewertet

Ich hab nichts gegen die Hofarbeit. Wirklich nicht. Ich finde sie ... ist eine angenehme Abwechslung zum Kindergarten und falls ich da körperlich nicht ausgepowert werde, fehlt mir nach einem Stalltag absolut nichts mehr. Mittwoch und Donnerstag war Stall angesagt und ich habe einen Einblick in die Zeit bekommen, in der die Hofpraktikantin nicht mehr da ist, was leider ab Ende September der Fall sein wird. Also hieß es erstmal wieder einen Stall saubermachen. Das klingt so wunderbar und nett, löst aber allgemein nur ergebenes Kopfsenken und Nicken aus. Es muss halt gemacht werden. Michael geht irgendwie immer davon aus, dass ich alles schon kann. Deshalb erklärt er auch nicht, er weist an. "Ausspritzen, desinfizieren, kalken. Dann kannst du ausmisten gehen." Große Augen, nicken, Hochdruckdüse in die Hand drücken lassen und mit Gummistiefeln und lecker blutiger Fleischerschürze ausrüsten, um schicksalsergeben anzufangen. Ich weiß ja wie ich danach aussehen und riechen werde.


Jo, da war ich fast fertig. Es war nur eine Ferkelbox, aber ich hab zwei Stunden gebraucht. bei Michael muss man sich leider immer sehr genau überlegen, ob man nachfragt und wenn ja - was. Weil ich mit jeder einzelnen Nachfrage in seinem Ansehen sinke. Ich glaube inzwischen hält er mich für völlig verblödet und unfähig, weil ich dauernd nachfragen muss. Erstens weist er wie gesagt nur an, zweitens verstehe ich ihn oft akustisch gar nicht. Er sagt "Hol mal das Seil." - ich verstehe "Hol mal das Teil." Welches Seil denn auch? Schleppe also den Hochdruckreiniger ran, er wirft mir einen Blick á la u____û zu, nimmt mir den Reiniger aus der Hand und sagts nochmal deutlich. Und ich kann meinen Reflex mich zu rechtfertigen nicht immer unterdrücken. Aber es wird langsam besser.
Hätte er nach dem Ausmisten nicht "Danke für deine Hilfe" gesagt, wäre ich mir sicher, dass er mich hasst. Donnerstag ging es weiter damit, dass ich zuerst alle Tröge bei den Schweinen saubermachen durfte - und von Stall zu Stall sind die einen Monat älter. Am Ende waren die Biester hüfthoch und unglaublich aufgeregt, weil die Fütterung kurz bevorstand. Ohne den Spaten als Waffe wäre ich da nicht reingegangen, so konnte ich sie wenigstens wegtreten und -schlagen wenn sie anfingen, an meiner Hose zu zerren. Neugierige Jungschweine sind die Hölle.


Also das sind die Kleinen, bei denen ich noch Zeit und Nerven für Handyfotos hatte. Den Rest des Vormittags hab ich damit verbracht, Michael weiter zu beweisen, wie mir immer alles schiefgeht. Wir sind mit den Köpfen zusammengestoßen, ich hab ihm ein Betonrohr auf den Fuß fallen lassen (das sicher 80 Kilo wog und ich leider Gottes nicht allein halten konnte, tut mir ja Leid uû) und seinen Schraubenschlüssel fallen lassen. Wiedergefunden hab ich ihn natürlich auch nicht, wäre ja auch zu schön gewesen. Hab ich erwähnt dass er mich mit Sicherheit für beschränkt und dämlich hält? Aber ich ignoriere seine Kommentare und gebe weiter mein Bestes, irgendwann muss er zufrieden sein. ^.^